Mittwoch, 11. Oktober 2017

Dany- ein neuer Taschenschnitt mit fünf Außentaschen


Manchmal werde ich gefragt, wie ich auf die Ideen für meine Schnitte komme.
Die Antwort ist ganz einfach: Ich mache die Taschen eigentlich für meine eigenen Bedürfnisse.

In dem Fall wollte ich eine schlichte, nicht so große Tasche mit möglichst vielen Außentaschen- für die inzwischen unvermeidlichen Brillen und den übrigen Kram wie Geldbeutel, Telefon und Schlüssel. Dafür reicht nämlich eine Außentasche nicht mehr aus. Und wenn ich zu lange im Innenbereich suchen muss werde ich schnell nervös.
Also: Viele maßgeschneiderte Außentaschen.

Zum einen brauche ich die verdeckten senkrechten Reißverschlusstaschen, die meine Brille und das Telefon beherbergen. Zwei Dinge, die ich wirklich schnell zur Hand haben muss.
Zum anderen wollte ich das gewohnte große Fach hinten- da passt mein großer Gretengeldbeutel rein.
Und dann als Bonus noch die beiden seitlichen Fächer für den Schlüssel und die Papiere.

Dann kann ich im geräumigen Innenfach hemmungslos sammeln :)


Dany hat noch ein paar Extras, die die sonst eher grafische Tasche aufwerten: Die Trägeraufhängung ist so ein nettes Detail. Man kann die Tasche aber auch ganz klassisch mit einem Schultergurt versehen:


Meine Freundin Heike hat Dany auch schon recht früh genäht und dann gemeint:
"Ich will nie wieder eine andere Tasche nehmen!"
Hier seht ihr auch was ihre Tasche ausmacht: Sie ist praktisch, schlicht und durch die Metallteile und die Materialkombination kein wenig langweilig. Heike hat ebenfalls Zeltplane vernäht und dazu cowboystefelbraunes Leder kombiniert.

Dany ist ab sofort im machwerk-Shop und bei daWanda erhältlich,
im Shop gibt auch Materialpakete mit Lederboden und Riemen, für den Materialmix den ich bei dieser Tasche so schön finde.

Achja: Dany?
Daeneris Targaryen, GoT. What else? :)

Montag, 9. Oktober 2017

Ludwig, eine Reisetasche von elbmarie

Ludwig: Das ist wohl die größte Tasche, die ich je genäht habe.
Als Frau Elbmarie mir im Sommer die Idee für ihren neuen Taschenschnitt gezeigt hat war ich ganz begeistert- genau so etwas hat sich mein Sohn für seine Festivals gewünscht. Seine alte Tasche war reichlich mitgenommen, da hat er sich wirklich strapazierfähigen Ersatz gewünscht.

Als ich dann beim Probenähen die Schnittteile ausgeschnitten habe hat die Tasche allerdings gar nicht mehr so groß ausgeschaut. Man braucht verhältnismäßig wenig Material.
Fertig ist sie aber durch die enorme Tiefe ein absolutes Raumwunder.

Ich habe Zeltplane verwendet, das ist derzeit mein Lieblingsmaterial für´s Taschennähen. Es lässt sich super färben, gut nähen und ist sehr strapazierfähig und schwer. Dabei aber nicht so dicht gewebt dass es beim Steppen Probleme gäbe.
Wenn ihr also irgendwo alte Rotkreuz-Zeltplanen bekommen könnt: Zugreifen!
(Eine Alternative wäre vielleicht der Faltenbalg den Silke oft verwendet hat,
den bekommt ihr bei Stoff am Stück.)


Der Innenraum ist durch den großen gebogenen Reißverschluss perfekt zugängig.
Den Innenboden habe ich aus LKW-Plane genäht.


Ludwig hat zwei Außentaschen, das hilft dem Sohn, etwas System in seine Packerei zu bringen. Wer Ludwig als geräumige Sporttasche nehmem möchte kann im großen Seitenfach gut die Schuhe unterbringen.

(Das Seitenfach ist in der Basisversion nicht enthalten, das ist eine Erweiterung für eher geübte Taschennäherinnen. Die Basisversion schafft man mit ein kleinwenig Erfahrung gut.)


Hier seht ihr, wie groß Ludwig ist.
Ich habe die Tasche übrigens NICHT verstärkt, das Material bringt genug Stand dass es sogar ohne Inhalt so gut seine Form hält.
Ich liebe es.

Auch für meinen eigenen neuen Taschenschnitt, der Mitte der Woche erscheint:


Diese Kombination aus Leder, Metallteilen und Zeltstoff ist einfach super :)

Sabines neuer Schnitt ist ab sofort in ihrem daWanda-Shop zu bekommen, wer am Wochenende auf einem der Stoffmärkte war hat vielleicht schon bei Kleinkariert einen Blick auf Ludwig werfen können.
Kleinkariert hat den Schnitt wie immer in Papierform auf den Märkten dabei.

Viel Erfolg, Sabine!
Das hast du prima gemacht.
Danke!

Sonntag, 24. September 2017

Stoffspielereien: Druck mit Blättern

Für die Stoffspielereien vom September hat Frau Siebensachen ein sehr breitgefächertes Thema vorgeschlagen: Von der Natur inspiriert.
Die erste Idee war, meine geliebten Farne zu drucken. Ich habe also Wedel mit Stofffarbe bestrichen und gedruckt. Glaubt mir, das sah aus wie ein nettgemeintes Kindergartenbild. Von Gestaltung keine Spur.

Deshalb  bin ich den umgekehrten Weg gegangen und habe die Blätter reserviert: Also Blätter auflegen und die Bereiche drumherum schwärzen. Farn fiel wegen der filigranen Struktur nun weg, also habe ich plakativeres Material zusammengesammelt.
Erste Versuche mit gemustertem Stoff waren schrecklich, also habe ich mir die unbedruckten Rückseiten ungeliebter Tarnstoffe (Reste des Konversionsprojekts) hergenommen. 



Und glaubt mir, da ging wieder alles schief. 
Nur so als Beispiel: Die Blätter blieben am Sieb kleben und bei dem folgenden, daneben liegenden Rakeldurchgang haben sie dann natürlich gefehlt. OK, dann eben ohne offenes Sieb.
Wenn man um Blattstiele mit dem Schaumstoffroller Farbe aufbringt, dann wird das an den dicken Stellen batzig. Also ohne Stiele.

Und so weiter und so weiter.
Wenn ich nicht schon den Futterrock angepasst und genäht hätte- ich hätte das alles in die Ecke geschmissen.


Schlussends habe ich fast alle meine Tarnstoffe verwurstelt und bin dann irgendwann doch zu einem Ergebnis gekommen.
Auch seltsame Stoffe stellen sich nach einer Weiterbearbeitung und der Konfektionierung als kleine Schätze heraus.


Und manche Dinge wie die fehlenden Stile sind dann doch super:
So war ich gezwungen die Stängel mit grobem 30er-Garn nachzunähen, darauf wäre ich so ohne weiteres nicht gekommen.
(Hey- und meine Berliner Flohmarktschuhe passen prima!!)


Der erst ungeliebte wolkige Untergrund ist viel lebendiger als ein klarer Farbauftrag.
Hier nochmal die Stiele, die sind ein prima Designelement und ich habe sie dann durch markante Steppereien an der breiten Passe nochmal aufgegriffen:


Tja, da ist nur noch auf der Rockinnenseite zu sehen dass das mal gruseligste Camouflage-Stoffe waren. Wegen der vielen Versuche ist der Tarnstoffstapel völlig aufgearbeitet- und das ist gut so. :)


Danke an meine Freundin Irene für die Fotos, wir haben das Grundstück meiner anderen Nachbarin Eri als die tolle Location mit dem Fahrrad genutzt. Und deren Katze gestreichelt:


Mehr Natur-Spielereien findet ihr heute hier bei Siebensachen- ich bin schon gespannt ob das bei den anderen Teilnehmerinnen glatter lief.

Schnitt: Burda 8-2017, ohne Bund, gekürzt
Stoff: Tarnstoffe mit Struktur und Stand- ich habe die Rückseiten genommen
Farbe: Dekaprint, mit dem Schaumstoffroller aufgetragen (alles via Jeromin)

Mittwoch, 13. September 2017

MMM: Die Wiederentdeckung der (Kauf-) Hose und eine genähte Chiffonbluse



Die Sommerpause hier im Blog ist vorbei obwohl das gefühlt gar kein richtiger Sommer war. 
An vielen Tagen hat es mich schon morgens gefroren, aber Strumpfhosen im August? Eher nein.
Deshalb habe ich in den letzten Wochen überdurchschnittlich häufig Hosen getragen, dazu  gefallen mir gerade lockere Blusenshirts am besten. 
Dieses Exemplar habe ich aus den Resten des Kleids der Tochter genäht, da hat das Material gerade so gereicht.
Die Bluse hat inzwischen einen Nachfolger bekommen, da habe ich dann auch die Schulter etwas schmäler geschnitten und die Rundung des Ärmelsaums angepasst.

Ich mag die transparenten Stoffe gerade sehr gern, man kann bei ausreichend Stoff auch das VT und RT doppeln und die Ärmel transparent lassen. 

Wie man so fluffige Stoffe am besten zuschneiden und nähen kann habe ich hier mal gezeigt- das Einlegen der Stoffe  in ein Stärkebad kann ich immer noch sehr empfehlen! So ist diese Bluse wirklich ratzfatz genäht.

Schnitt: Simplicity 2-17
Stoff: Viscosekrepp vom Maybachufermarkt

Verlinkt beim MMM, da geht es jetzt nach der Sommerpause wieder weiter! Auch Katharina trägt dort eine Hose, eine tolle Culotte!

P.S. : Ich nähe keine Hosen mehr.
Ich trage fast ausschließlich engere Hosen mit Elasthan. Beim Selbernähen habe ich die bittere Erfahrung gemacht dass ein eigentlich gut sitzender Schnitt mit dem einen Stoff prima funktioniert und mit einem anderen Stretch nach 3 Stunden dann plötzlich zu weit ist. Die nächste, dann etwas enger genähte Hose aus einem wieder anderen Stoff wurde nicht weiter sondern beult nur an den Knien. Zum Heulen.
Strechhosennähen ist für mich wie Lottospielen.
Und ich ziehe den Hut vor allen, die das gut hinbekommen.


Mittwoch, 26. Juli 2017

Magie beim Färben: Der Schattenwolf

Es gibt beim Kreativsein so Momente, die kann man nicht planen....

Ich färbe gerade alte Bahnen von Rotkreuzzelten in der Waschmaschine um sie zu Taschen zu verarbeiten. Bei Färbeprozess wird das Salz locker in den Stoff eingeschlagen und löst sich in der Regel recht schnell auf. Diesmal war die Maschine etwas voll- an manchen Stellen hat wohl das Salz den Stoff reserviert und keine Farbe ist durchgedrungen.
Normalerweise schneide ich um solche Stellen herum, deshalb habe ich den Flecken beim Bügeln gar keine Beachtung geschenkt.

Als ich den Ballen jetzt herausgezogen und aufgefächert habe, da hat mich ein Gesicht angeschaut.
Ein Schattenwolf!
Wenn das mal kein Zeichen ist!

Verarbeitet habe ich das sofort zu einer Tasche für die neuen Heringe des Sohnes, er fährt damit nächste Woche nach Wacken.
Diese Wurmis sind so fest in der Erde verankert dass da auch nächtliche Taumler die Heringe nicht herausreißen können. Na, hoffentlich :)
Hinten hat die Tasche ein Extrafach für´s Werkzeug, einem Bohrer mit Adapter für den Akkuschrauber bei festen Böden.
Seht ihr den Schattenwolf? 
Magisch, oder? :)
Ich selbst habe mir zum Staffelstart auch eine Game of Thrones-Tasche genäht, aber hier ist das Targaryen-Wappen ganz extra eingebleicht.....
Aber das ist wieder eine andere Geschichte.


Montag, 24. Juli 2017

Der Schneiderherz - Mantel von makerist

Auf Schneiderherz-Utes Mantel und Videolektionen bei makerist war ich sehr gespannt, ich wollte so gern mal sehen wie sie als Profi manche Details verarbeitet.
Um es vorab zu nehmen: Sie hat den gesamten Nähprozess sehr gut erklärt.
Und sie kommt total kompetent und sympathisch rüber.

Den Schnittbogen habe ich gleich bei makerist mitbestellt und dort ausdrucken lassen, leider war in dem Komplettpaket mit Videos und A4-Schnitt keine A0-Datei für Plotter dabei. Ich habe keine Ahnung wie viele Seiten das sein sollen, aber so etwas klebe ich ganz sicher nicht. :)

Denn hier seht ihr den Bogen: Riesig!
Allein das Futter nimmt die Hälfte des Platzes ein, das ist aber auch ganz richtig so.
Die Tochter hat den Schnitt in ihrer Größe 36 herauskopiert, ich werde für mein größeres Exemplar dann den Bogen zerschneiden.


Beim Nähen gab es überhaupt keine Probleme, am meisten hat mich die Verarbeitung des Schlitzes mit Futter interessiert, da hatte ich bisher immer irgendwas hingepfuscht und war nie mit dem Resultat zufrieden. Ute nimmt die Näherinnen aber gut an die Hand, das hat auf Anhieb sehr gut geklappt.


Ein paar Extras habe ich noch mit eingebaut: Die rote Streberpaspel im Futter ist ein netter Hingucker für Nähnerds.


Und den Kragen und die Pattentaschen habe ich mit dickem Garn abgesteppt um eine Verbindung zu den hellen Knöpfen zu schaffen.



Der Mantel ist aus wasserabweisendem Material, das ich zusätzlich noch mit Spray imprägniert habe. Er ist kein echter Regenmantel, aber einen Nieselregen auf dem Fahrrad zum Bahnhof hält er wohl ganz gut ab.

Ich habe den Mantel innerhalb einer Woche gemütlich in Etappen genäht, da ist die Einteilung in makerist-Episoden ganz hilfreich. Zum rein informativen Gucken ist das alles etwas langatmig geschnitten, aber wenn das so neben der eigentlichen Näherei parallel läuft fühlt sich das fast so an wie Fachsimpelei bei einem Nähkränzchen.
Zum Nachschlagen (wenn ich demnächst meinen eigenen Mantel nähe) hätte ich mir trotzdem eine Lesezeichen-Funktion gewünscht, für die Markierung der kniffligen Stellen wie z.B. am hinteren Schlitz.

Die Knopflöcher hat mir meine Freundin Heike an der großen Maschine genäht, die Tochter war dann für die Endkontrolle zuständig.


Also: Der makerist Kurs ist auch für Leute mit Näherfahrung sehr hilfreich, Ute hat einfach ein paar gute Tricks auf Lager. Allein zu sehen wie sie mit Kopierpapier auf Pappe die Abnäher auf die Stoffunterseite überträgt war das Geld für den Kurs wert. Genial einfach! Und mir völlig neu.

Schnitt: makerist
Der reguläre (?) Preis von über 30 Euro ist happig, zumal man ja auch noch den Schnitt plotten lassen sollte. Gerade kostet er 18 Euro, am Wochenende war er für unter 10 Euro zu haben.
Seltsame Preispolitik, aber das kennen wir ja auch von craftsy.

Stoff: 2 Coupons á 5 Euro vom Stoffmarkt von Bennos, meinem Lieblingsdealer, Viscosefutter, Knöpfe von Boss (Hachz, der Boss-Stoffverkauf. So tolle Qualitäten.  Das waren noch Zeiten!)

Nähzeit: Ich schätze mal 10 Stunden, mit Zuschnitt.

Passform: Passt. Mit den üblichen Änderungen für eine Petite-Größe.
Vor allem die Ärmel sind super. Auch bei dem eigentlich unbügelbaren Material haben sie sich prima einsetzen lassen. Mit Watteline und Schulterpolstern sitzen sie auch richtig gut.


Next Stop: Pingelinges Etuikleid. Für mich. Und einen Mantel drüber.

Sonntag, 25. Juni 2017

Stoffspielereien in schwarz-weiß: Entfärben mit Bleichgel

Als Lucy für die Juni-Stoffspielereien das Thema "schwarz-weiß" vorgeschlagen hat war ziemlich schnell klar, was ich endlich mal in Angriff nehmen wollte:
Vor zwei Jahren habe ich in Sabines Siebdruckkurs einen Pepitastoff im Degradé schwarz abschattiert. Ich wollte das schon lange mit Entfärberpaste etwas spannender gestalten und habe dann letzte Woche ein paar Versuche mit positiv/negativen Effekten ausprobiert.
Assymmetrisch war spannender als eine gleichmäßige Verteilung, aber sollte ich Punkte oder lieber Blüten drucken? 
Meine Freundin Heike meinte: "Mach beides. Wie aus den Punkten die Blüten werden." 
Ja klar, dazu eine Größenentwicklung, das sollte gut hinkommen.

Die flächigen Formen habe ich aus Freezerpapier ausgeschnitten und durch Bügeln auf dem Stoff fixiert.
Die Bleichpaste ist ganz einfach herzustellen, wie das geht hat Sabine hier sehr gut beschrieben.
Ich habe die Farbe und das Bleichgel mit einem Schaumstoffstempel aufgetupft, das geht einfach und schnell.
Es ist magisch, wie beim späteren Bügeln das Schwarz verschwindet und der ursprüngliche Stoff zum Vorschein kommt. Ein kurzes Video vom Bügeln habe ich am Freitag bei Instagram hochgeladen.
Es sind nicht nur flächige Entfärbungen möglich, auch feinere Linien werden prima abgebildet. Hier habe ich ein Game of Thrones - Motiv mit einem Sieb auf selbstgefärbten Zeltstoff gedruckt. Nach dem Bügeln bleicht das Targaryen-Wappen toll heraus und wird sicher zum Serienstart zu einer Tasche verarbeitet:
Die meisten gekauften Shirts oder Stoffe lassen sich übrigens mit dem Gel entfärben, eine Ausnahme macht allerdings Dekaprint. Das bleibt stabil.
(Es lässt sich der Paste übrigens beimischen, so bekäme man farbig-helle Drucke auf dunklem Grund. Aber das ist ein anderes Thema)

Zurück zu meinem Stoff: Er wurde zu einem ultragemütlichen Leinenkleid vernäht.
OK, etwas grauer Sack, aber egal. :)
Genau das Richtige für die derzeitigen Temperaturen um die 30 Grad.
Hier ist ganz gut zu sehen, was die Musterung ausmacht: Mit den Formen wird es viel spannender als beim ursprüngliche Degradé.
Und jetzt warte ich gespannt, was die anderen Stoffspielerinnen so ausprobiert haben.
Lucy hat im Nahtzugabe-Blog alles gesammelt.

Im Juli und August ist Sommerpause,
danach geht es bei Siebensachen weiter, da könnt ihr euch von "der Natur inspirieren" lassen.

Schnitt: Simplicity (Neue Nähmode) 2-17
Entfärbepaste und Farben aus dem Jeromin-Shop
Stoff: Leinen vom Stoffmarkt

Donnerstag, 22. Juni 2017

Simplicity 2 - 17, das Vokuhila-Kleid

So ganz langsam mache ich meinen Frieden mit den amerikanischen Schnitten.
Bisher hat es mich gewaltig gestört, dass die Schnittteile die Nahtzugaben enthalten, mir waren die Zugaben für meinen Nähstil viel zu üppig- gerade beim Verarbeiten von flutschigen Stoffen tue ich mir mit großer Zugabe schwer.
Die Lösung für mein Problem ist so profan, das hätte ich längst mal machen sollen: Ich schneide die Zugabe einfach ab. OK, doppelte Arbeit bei der Vorbereietung, aber egal.
Denn die Tochter wollte so gern das Titelmodell der Neuen Nähmode. Und natürlich erfülle ich ihr gern Kleiderwünsche!
Den Stoff haben wir letztes Jahr zusammen auf dem Maybachufer-Markt gekauft. Das ist ein wirklich schön und schwer fallender Viscosekrepp.
Bein Auflegen des Stoffes und beim Zuschneiden muss man höllisch aufpassen, damit man nicht aus dem Fadenlauf gerät. Aber beim Nähen ist Krepp ein dankbares Material, leicht einzubügeln und fehlerverzeihend.
Und Viscosekrepp fällt schön, das Kleid schwingt bei jeder Bewegung mit.

Den etwas förmlichen Stoffgürtel des Titelmodelles haben wir durch einen Vintage-Schatz aus dem Fundus meiner Mutter ersetzt. Die Silberschnalle passt so zu den kleinen Punkten.

Zudem habe ich das komplette Oberteil mit einem stabilen Mesh-Stoff gedoppelt, Belege versuche ich in der Regel zu vermeiden.
Der leichte und formstabile Mesh verhindert zusätzlich das Ausleiern des Auschnittes und gibt dem Oberteil etwas Substanz von innen heraus.

Perfekt für den Sommer!

Schnitt: Simplicity 2-17, Modell 22
Stoff: marineblauer Viscosekrepp vom Maybachufer.
Futter: Mesh, gibt es in vielen Qualitäten bei Bennos (meinem Lieblingsstand!!) auf dem Stoffmarkt.

Und hey- der marineblaue Stoffrest reicht noch für ein Oberteil für mich!

Sonntag, 28. Mai 2017

Stoffspielereien: Denim (Ein Jeanskleid mit Chenilletechnik)

Im Mai soll Denim im Zentrum der Stoffspielereien* stehen.

Und weil das hier ein etwas längerer Beitrag wird
kommen hier die Experimente meiner Mitstreiterinnen zuerst
(bitte mailt mir einen Link oder kommentiert kurz wenn ich euch verlinken soll):

  • Ines hat eine Tunika mit einer gepatchten Jeanspasse und dekorativen Manschetten versehen
  • Christa verwebt schmale Denimstreifen
  • Ute arbeitet mit den Embellisher und patcht die Denimstücke in Kurven.
  • Suschna bearbeitet malerische Miniaturen
  • Annelies bestickt kleine Stoffstücke mit Kettstich
  • Karen hat schon länger ein Etui mit Chenilletechnik genäht.
  • Lucy upcycelt einen Rock mit Boro-Stickerei
  • Ute als Jeansspezialistin hat ganz viele Techniken neu probiert und alte Einträge verlinkt- klickt euch mal durch!

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Jeans sind ja eigentlich überhaupt nicht meine Sache.
Ich habe in den 80ern meine Jeansphase (gern in Kombination mit Parka und Adidas Allround) abgeschlossen und erst im letzten Jahr wieder ein paar superelastisch-bequeme Stretchjeans gekauft.
Jeans fand ich schrecklich banal, bei Elternabenden habe ich mir jahrelang einen Spaß draus gemacht die Jeansquote zu ermitteln- sie lag meist bei über 90%.
Da entwickeln Designer Jahr für Jahr Kollektionen und was kommt auf der Straße an? Jeans.
Gerne irgendwo im nahen oder fernen Osten aufwändig-giftig auf alt getrimmt und bearbeitet.
Nein, das war nicht mein Ding.

Dabei ist Denim als Material echt spannend.
Ihr kennt das sicher: Beim klassischen Denim ist die Kette meist indigogefärbt, sie ist außen blau und hat einen weißeren Kern in der Mitte des Fadens. Die Farbe wäscht sich bei Reibung relativ leicht aus, das gibt den geschätzten Used-Look.
Der Schuss ist ungefärbt, guckt mal:


Diese Unterschiedlichkeit wollte ich gern bei meinen Experimenten in den Mittelpunkt stellen.
Ich habe auf meinen Untergrund (ein stretchig-dünner Jeans) verschiedene Denimstoffe ohne Elastan aufgenäht und wie bei der Chenilletechnik in Streifen geschnitten. Dabei sollten je nach Schneiderichtung nach dem Waschen entweder die Kett oder die Schussfäden den Fransensaum bilden.
Soweit die Theorie- da kam dabei heraus:


Praktisch hat mir das nicht mehr so gut gefallen- sobald man genau in Kett- oder Schussrichtung schneidet lösen sich hässliche lange Fäden. Man muss also tendenziell im schrägen Fadenlauf bleiben.

Für den Brustbereich und am Ausschnitt habe ich also die Chenilleschichten als Ganzes im schrägen Fadenlauf ausgeschnitten und mit 1 cm Abstand aufgesteppt. Mit dem Chenilleschneider habe ich dann zwischen den Schichten eingeschnitten ohne die Trägerschicht zu verletzen.
Auf dem Bild ist im Brustbereich schon geschnitten, im Halsbereich ist der Stoff noch komplett:


Der Wechsel der verschiedenen Fäden kommt nach dem Waschen und Trocknen gerade im Halsbereich ganz gut heraus, im Vergleich zu dem anders applizierten rückwärtigen Ausschnitt ist das viel lebendiger ohne dass es die hässlichen langen Ziehfäden gibt.


Für die lange Strecke im Rockteil und an hinteren Hals habe ich nämlich schmale Streifen im schrägen Fadenlauf geschnitten. Dazu habe ich mit temporärem Sprühkleber einen stabilen unbehandelten Denim auf einen weichen vorgewaschenen Jeans geklebt. Mit zwei fixierten Lagen tut man sich beim späteren Aufsteppen leichter.


Das Aufsteppen geht dann ganz schnell, man muss bloß an der sorgfältig ausgerichtenen ersten Linie anlegen. Ich habe zum Aufsteppen ein helles 30er Jeansgarn genommen, das lässt sich mit der Topstitchnadel gut verarbeiten.


Ich habe ein schlichtes Etuikleid genäht. Die Hals- und Armabschlüsse sind nur mit der Overlock versäubert und unter einem Chenillstreifen versteckt. Der Brustbereich ist mir jetzt fast etwas zu breit, ich mag aber den zum Rücken hin tiefer gesetzten Bogen sehr gern.


Durch den Elastananteil ist das Kleid bequem, ich werde bei Gelegenheit auch noch ein zweites nähen, dann möchte ich gern die Kreiselemente dieser Nähprobe verwenden:


Stoff: Jeanscoupons vom Stoffmarkt
Schnitt: Etuikleid auf Basis eines alten Burdaschnittes aus dem Jahr 2003. Ich habe vorab ein Probekleid genäht und auf die Schnittführung angepasst.

Am 25.6. geht es bei Lucy (Nahtzugabe) weiter, das Thema ist Schwarz und Weiß
Im Juli und August ist Sommerpause
Im September sammelt Siebensachen zum Thema "Von der Natur inspiriert"
Im Oktober geht es bei Ute mit "Fäden auf Farbe" weiter.


*Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.